Vorwort zur Annapurna - aus dem Buch Around Annapurna, Epsilonmedia

Nepal hat einen Wandel vollzogen – und das rascher als viele Menschen es für möglich hielten: vom einstigen Königreich mit seinem letzten unbeliebten Herrscher zur Republik mit eigenem Parlament. Der Umbruch war selbst in den entlegenen Bergdörfern, die ihren eigenen Rhythmus leben, zu spüren. Verglichen mit anderen Staaten der Welt hat Nepal den Wandel bisher relativ gewaltfrei vollzogen.

Da viele Nepalesen ihr Einkommen im Tourismusbereich verdienen, waren die politischen Unruhen ein weiterer Schicksalsschlag nach dem vorangegangenen 11. September 2001. Im Jahr 2006 leerten sich die Trekkinggebiete erneut, Touristen verschoben aufgrund der Reisewarnungen ihren Aufenthalt, und obwohl große Anstrengungen unternommen wurden um den Schaden zu begrenzen, litten viele Familien unter dieser Situation.
Umso erfreulicher ist, dass das Land trotz vielschichtiger Probleme durch die ersten freien Wahlen, das neue Parlament und die Ausrufung der Republik im Frühjahr 2008 politisch stabil zu werden scheint. Damit ist zu hoffen, dass die tourismusabhängigen Nepalesen konstantere Zeiten erleben und Reisewarnungen für Besucher der Vergangenheit angehören.

Inzwischen habe ich in den vergangenen Jahren das Annapurna-Gebiet weitere Male besucht. Auch wenn der einsetzende Straßenbau die Landschaft zerschneidet und sowohl Lärm als auch weitere Umwelteinflüsse verursacht, bedeutet er für viele Menschen eine wesentliche Erleichterung. Die Umrundung der Annapurna mit ihren mannigfaltigen Dörfern, den freundlichen Menschen und den faszinierenden Landschaften empfinde ich als nach wie vor lohnenswert, und viele Bereiche befinden sich immer noch im gleichen Zustand wie vor einigen Jahren.

Die hier vorliegende zweite Auflage des Buches wurde um viele neue Photographien und Gedichte erweitert. Der nepalesische Dichter Yuyutsu R. D. Sharma beschreibt in bemerkenswerter Weise das Land Nepal, die Annapurna und die Kali Gandaki in Verschmelzung mit den Menschen und ihrer Religiosität. Inzwischen hat er, vielen Einladungen folgend, den „Mythos Nepal“ in unzähligen Vorträgen in den USA, Kanada und mehreren europäischen Ländern vor begeisterten Zuhörern präsentiert. Dies zeigt, dass der durch Technologie und Komplexität belastete Mensch auf der Suche nach Kraft aus dem Natürlichen, dem Einfachen schöpfen kann. Nepal bietet dies – und ich hoffe, die Gedichte und Photographien können dies ansatzweise wiedergeben, um zu verdeutlichen, wie „reich“ das arme Land Nepal an seinen Werten ist.